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Wie alles begann – Die Entstehung von Raumschiff Vanguard

Wenn mir 2017 jemand gesagt hätte, dass aus meinen ersten vier Kapiteln irgendwann ein veröffentlichtes Buch werden würde, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt. Ursprünglich habe ich Raumschiff Vanguard nämlich nur für mich selbst geschrieben. Ohne Veröffentlichungspläne, ohne Verlag im Hinterkopf und erst recht ohne die Vorstellung, dass irgendwann fremde Menschen meine Geschichten lesen würden.

Aber wie kam es überhaupt dazu?

Von Warhammer 40.000 zum eigenen Universum

Angefangen hat alles mit Warhammer 40.000. Ich hatte mir einen eigenen Space-Marine-Orden ausgedacht und dazu eine Fanfiction geschrieben. Irgendwann brachte mich ein Bekannter auf die Idee, das Gleiche im Star-Trek-Universum zu versuchen. Daraus wurde allerdings nichts. Stattdessen kam mir der Gedanke, warum ich eigentlich in einem fremden Universum schreiben sollte. Ich könnte mir schließlich auch ein eigenes ausdenken, mit eigenen Raumschiffen, Charakteren und Geschichten. Also fing ich 2017 damit an. Ich erstellte vier Charaktere und schrieb die ersten vier Kapitel von Raumschiff Vanguard. Ein ausgearbeitetes Universum gab es damals noch nicht. Ebenso wenig einen Plan für mehrere Bücher. Und dann verschwand das Manuskript erst einmal für acht Jahre in der Schublade.

Eine Fußverletzung und zehn Wochen Zeit

2025 brach ich mir das Sprunggelenk und war zehn Wochen krankgeschrieben. In dieser Zeit holte ich mein altes Manuskript wieder hervor und begann, mich intensiver damit zu beschäftigen. Die ersten vier Kapitel waren nach acht Jahren natürlich nicht mehr unbedingt auf dem Stand, auf dem ich sie haben wollte. Also überarbeitete ich sie, passte einiges an und schrieb anschließend weiter. Anfangs versuchte ich durchaus, die Geschichte zu planen. Allerdings stellte ich ziemlich schnell fest, dass meine Charaktere ohnehin machen, was sie wollen. Man überlegt sich, wie eine Szene ablaufen soll, beginnt zu schreiben und plötzlich entwickelt sich das Ganze in eine völlig andere Richtung. Das passiert mir bis heute regelmäßig. Manchmal merke ich auch erst mitten beim Schreiben, dass mir bestimmte Charaktere fehlen. So fiel mir beispielsweise in Kapitel 5 auf, dass ich eigentlich eine Linguistin benötige. In Kapitel 6 brauchte Akio noch zwei zusätzliche Techniker und in Kapitel 9 stellte ich fest, dass auf meinem Raumschiff jemand für die Sicherheit verantwortlich sein sollte. So entstand Sera. Das sind Dinge, die bei mir häufig erst während des Schreibens entstehen. Ich plane zwar weiterhin, lasse meinen Charakteren aber auch die Freiheit, die Geschichte in andere Richtungen zu lenken. Jedenfalls schrieb ich während meiner Krankschreibung so intensiv weiter, dass ich schließlich die Rohfassung von Band 1 fertigstellen konnte.

Vom privaten Manuskript zum Buch

Eine Veröffentlichung hatte ich eigentlich gar nicht vor. Ich schrieb die Geschichte, weil ich Lust darauf hatte. Mehr steckte zunächst nicht dahinter. Dann wollte ein Arbeitskollege mein Manuskript testlesen. Ihm gefiel es so gut, dass er meinte, ich sollte daraus ein richtiges Buch machen und es veröffentlichen. Also versuchte ich es. Ich schrieb verschiedene Verlage an und wartete auf Rückmeldungen. Nach drei Monaten hatte ich allerdings immer noch nichts gehört. Dass es neben dem klassischen Verlagsweg noch eine andere Möglichkeit gab, wusste ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Erst durch meinen Cousin erfuhr ich vom Selfpublishing. Ich begann, mich damit zu beschäftigen, informierte mich über die Möglichkeiten und nahm schließlich Kontakt zur Bücherschmiede auf. So kam ich auch zu Sarah Schemske, die meine Lektorin wurde. Und damit begann ein Teil der Arbeit, den ich vorher ziemlich unterschätzt hatte.

115 Seiten weniger und eine Menge dazugelernt

Ich dachte natürlich nicht, dass meine Rohfassung perfekt war. Aber wie viel Arbeit tatsächlich noch auf mich zukommen würde, hatte ich nicht erwartet. Das erste professionelle Lektorat war spannend, teilweise ziemlich hart und vor allem lehrreich. Am Ende wurden 115 Seiten aus dem Manuskript gestrichen. Wir haben einiges verändert, Szenen überarbeitet und die Geschichte an vielen Stellen angepasst.
115 Seiten sind schließlich nicht gerade wenig.
Durch die Zusammenarbeit mit Sarah habe ich allerdings auch enorm viel gelernt. Nicht nur darüber, wie man Geschichten schreibt, sondern vor allem darüber, wie man sie überarbeitet und verbessert. Sarah übernimmt bei meinen Büchern zwei Lektoratsrunden, das Korrektorat, den Buchsatz sowie Grafik- und Coverdesign. Bis aus einer Rohfassung ein fertiges Buch wird, sind also noch einige Schritte notwendig. Eine Sache ist mir dabei besonders deutlich geworden:

Schreiben ist einfach, überarbeiten schwerer.

Beim Schreiben kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen. Beim Überarbeiten muss ich dagegen kritisch auf das schauen, was ich selbst geschrieben habe. Und manchmal bedeutet das eben auch, sich von Textstellen zu verabschieden, in die man bereits viel Arbeit gesteckt hat. Trotzdem möchte ich diese Erfahrungen nicht missen.

Und plötzlich lesen fremde Menschen meine Gedanken

Irgendwann hielt ich Band 1 von Raumschiff Vanguard tatsächlich als fertiges Buch in den Händen. Und selbst jetzt, fast ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung, ist das noch ein komisches Gefühl. Nicht unbedingt das Buch selbst, sondern der Gedanke, dass es mittlerweile Menschen lesen, die ich überhaupt nicht kenne. Da sitzen irgendwo Leute mit meinem Roman und lesen sich durch eine Geschichte, die ursprünglich nur in meinem Kopf existiert hat. Sie lernen meine Charaktere kennen, verfolgen ihre Erlebnisse und machen sich Gedanken über Dinge, die ich mir irgendwann einmal ausgedacht habe. Im Grunde lesen völlig fremde Menschen meine Gedanken. Daran muss ich mich immer noch gewöhnen.

Was kommt als Nächstes?

Aus den vier Charakteren und vier Kapiteln von 2017 ist inzwischen deutlich mehr geworden. Ich arbeite an weiteren Bänden von Raumschiff Vanguard und beschäftige mich außerdem mit anderen Buchprojekten. Neben dem eigentlichen Schreiben gibt es allerdings noch einiges mehr zu tun. Lektorat, Korrektorat, Buchgestaltung, Buchhandel, Werbung und die Frage, wie man seine Bücher überhaupt bekannt macht. Gerade beim Selfpublishing merkt man ziemlich schnell, dass das Schreiben eines Romans nur ein Teil der Arbeit ist. Ich habe inzwischen einige Erfahrungen gesammelt, positive wie negative. Es gab Erfolge, aber auch Absagen, Entscheidungen, die ich heute vielleicht anders treffen würde, und Dinge, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Genau darum soll es hier im Blog gehen. Ich möchte Einblicke in meine Schreibarbeit geben, erzählen, wie meine Geschichten entstehen, und auch darüber berichten, was hinter einer Buchveröffentlichung steckt. Dazu gehören für mich nicht nur die schönen Momente, sondern genauso die Schwierigkeiten, Fehler und Kosten. Schließlich bin ich selbst noch dabei, vieles zu lernen. Und wer weiß, wohin mich das Schreiben noch führt. Dass aus vier Kapiteln einmal eine ganze Buchreihe entstehen würde, hatte ich 2017 schließlich auch nicht auf dem Plan.

Euer Johannes